Museum Ludwig Blog

30. September 2018

Mapping the Collection

Dieses Jahr startet das Museum Ludwig ein neues Forschungsprojekt mit dem Titel Mapping the Collection, das ein neues Licht auf die US-amerikanischen Werke bis 1980 in der Sammlung wirft. Die Sammlung des Museums umfasst einige der bekanntesten und ohne Zweifel auch einflussreichsten Künstler der US-amerikanischen Nachkriegskunst und vermittelt einen Überblick über deren Entstehung und Entwicklung. Dazu gehören Künstler wie Andy Warhol, Roy Lichtenstein, James Rosenquist oder Jackson Pollock.

Mapping the Collection nähert sich der Sammlung aus weniger vertrauten Perspektiven und wendet sich – ohne Warhol, Pollock und Rosenquist außer Acht zu lassen – Künstler*innen wie Robert Graham, Allan Kaprow, Martha Rosler, Marisol, David Wojnarowicz, John Wesley oder Eva Hesse zu. Auch wenn diese Namen oder deren Kunstwerke einem vielleicht weniger vertraut sind, haben sie dennoch unser Verständnis von Kunst „made in the USA“ und Kunst im Allgemeinen geprägt. Anstatt sich hauptsächlich auf Farbe, Applikation, Ausführung oder Komposition zu konzentrieren, verschiebt Mapping the Collection den Fokus auf den sozialen, politischen und historischen Kontext in dem die Künstler*innen lebten und arbeiteten, und fragt, zum Beispiel, wie Feminismus, Gender, Herkunft oder Hautfarbe ihr Leben und ihre Arbeit beeinflussten. All diese Dinge erzählen uns nicht nur etwas über ihr Selbstverständnis als Künstler*innen und als Person im Allgemeinen, sondern auch darüber wie sie ihre Umgebung erlebten und wie sie von ihr wahrgenommen wurden. Diese Fragen und deren Antworten, können uns neue Ansatzpunkte zeigen um die Kunstwerke und Praxis dieser Künstler*innen zu verstehen und ihre Arbeiten auf eine andere Art und Weise zu erleben.
Das Projekt wird sich auch der Rezeption dieser Kunst in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg widmen und fragen welchen Einfluss sie auf die Kunst- und Kulturlandschaft Deutschlands hat und hatte. Ebenso soll thematisiert werden wie Kunst, bzw. Kunstgeschichte vermittelt werden und welche Rolle das Museums als öffentliche Institution in unserer Gesellschaft spielt und spielen sollte.

Gefüllt wird dieser Blog von mir, Janice Mitchell, und die meisten Beiträge, die Ihr hier finden werdet, werden auch von mir geschrieben worden sein. Nach Ende meines Studiums in Central Saint Martins habe ich mehrere Jahre in London gearbeitet und war in verschiedene Projekte involviert, unter anderem dem Gallery House Archive Project, das Geschichte des Gallery House London untersucht, einem kurzlebigen aber einflussreichem Ausstellungsraum in London mit Verbindungen zur internationalen Avantgarde der 1960er und 1970er Jahre. Seit Sommer diesen Jahres bin ich Teil des Teams des Museum Ludwig und als Terra Foundation Collection Research Fellow bin ich für die Umsetzung und Entwicklung des Projekts zuständig. Für mich ist Kunst ein Spiegelbild der Zeit in der wir leben, und gerade deshalb interessiert mich Kunst, die Fragen stellt und Grenzen herausfordert, um zu verstehen weshalb und mit welcher Auswirkung. Kunstgeschichte gibt uns oft nur einen Einblick, sie zeigt einen kleinen Teil eines großen Bildes. Diese große, das gesamte Bild zu enthüllen finde ich spannend und wichtig, denn unsere Gegenwart von der Vergangenheit und ihrer Interpretation geprägt ist, aber auch, weil die Zukunft von beiden geprägt sein wird. Kunst ist nicht nur das, was man auf der Leinwand sieht oder das Objekt im Ausstellungsraum, sondern es umfasst auch die kollektive, gelebte Erfahrung einer Gruppe von Menschen, die sich gegenseitig beeinflussen, Ideen austauschen oder einfach nur Zeit miteinander verbringen. Manchmal verschwinden Menschen in den Schatten, aber im Laufe der Zeit können wir mit einem besseren Verständnis zurückblicken und diese Menschen wieder in die Mitte ziehen. Mapping the Collection als Projekt nimmt dies vielleicht als Ansatzpunkt und wird hoffentlich ein Raum sein an dem solche Ideen weiterentwickelt werden können, auf diesem Blog in der Sammlungspräsentation aber vor allem in den Diskussionen, die aus diesem Projekt hervorgehen werden.

Ihr könnt die Entwicklung des Projekts im Blog mitverfolgen, wo Ihr Beiträge zu den oben genannten Themen finden werdet, wie z.B. Essays zu bestimmten Kunstwerken und Künstlerpraktiken oder Informationen zu Aspekten der US-amerikanischen Kultur und Gesellschaft im 20. Jahrhundert. Darüber hinaus wird es gelegentlich Interviews mit Künstler*innen oder anderen Kunstschaffenden geben sowie Buch- und Filmempfehlungen oder Verweise auf jüngere Künstler*innen, die an diese Themen anknüpfen.

Ich freue mich auf die nächsten zwei Jahre und darauf, meine Forschungen mit Euch zu teilen und Euch einen Teil der Sammlung des Museums Ludwig aus einer „anderen“ Perspektive zu zeigen.
Wir hoffen Ihr begleitet uns auf dieser Reise!

Eine ausführlichere Beschreibung zu Mapping the Collection findet ihr hier.

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