Museum Ludwig Blog

31. März 2020

Update Update Update

Ihr habt sicherlich schon gemerkt, dass es hier sehr ruhig geworden ist. Vieles ist seit dem letzten Post passiert und es waren einige aufregende und arbeitsreiche Monate für mich. Wer uns auch auf Instagram folgt oder regelmäßig auf unsere Webseite schaut, hat schon mitbekommen, dass aus diesem Forschungsprojekt und dem Blog eine Ausstellung geworden ist.

Die Ausstellung hat den gleichen Ausgangspunkt wie das Forschungsprojekt; die Sammlung US-amerikanischer Kunst des Museum Ludwig. Und wie das Forschungsprojekt trägt auch die Ausstellung den Namen Mapping the Collection. Aber anstatt den Fokus auf das gesamte 20. Jahrhundert zu legen, konzentriert sich die Ausstellung nur auf zwei Jahrzehnte Kunst und Kultur in den Vereinigten Staaten: die 1960er und 1970er.

Die Sammlung des Museum Ludwig ist in diesen beiden Jahrzehnten am stärksten und gleichzeitig sind diese Jahre auch impulsgebend für die weitere Entwicklung von Gesellschaft und Politik in den Vereinigten Staaten. Aufgrund des Schwerpunkts des Forschungsprojekts auf Postkolonialismus, bzw. Siedlerkolonialismus, Feminismus, Gender und Queer Studies in der Kunst, macht es Sinn, dass die Ausstellung den gleichen Schwerpunkt auf die Jahre legt, die nicht nur einen großen Wandel für die USA bedeuteten, sondern auch der Ursprung dieser theoretischen Ansätze sind. Die Bürgerrechtsbewegung brachte das Ende der Segregation für Afroamerikaner*innen, die Frauenbewegung und frühe Schwulen- und Lesbenbewegung kämpften alle für Gleichberechtigung gegen Diskriminierung aufgrund von Geschlecht und Gender. Die Antikriegsbewegung protestierte gegen den US-amerikanischen Militäreinsatz in Südostasien und stellte auch so die imperialistisch anmutende Aussenpolitik der Vereinigten Staaten infrage. Die Red-Power-Bewegung der indigenen Gruppen Nordamerikas kämpften um politische Eigenständigkeit, Selbstbestimmung und bessere Lebensbedingungen für ihre Communities. Und in Los Angeles, Chicago und New York City, inspiriert von der Black Panther Party, kämpfte die Chicanobewegung für Selbstermächtigung für die Latinx Community sowie für bessere Schulen, Gesundheitsversorgung und gegen Polizeigewalt und Diskriminierung.

Diese Bewegungen führten zu weitreichenden Veränderungen in der US-amerikanischen Gesellschaft und natürlich hatten sie auch eine Auswirkung auf die Kultur und die Kunst. Künstler*innen machten Arbeiten in Reaktion auf oder inspiriert durch diese Veränderungen, andere wiederum organisierten sich in Gruppen wie der Art Workers Coalition oder der Black Emergency Cultural Coalition. Sie verlangten eine faire Bezahlung für alle die im kulturellen oder künstlerischen Bereich arbeiteten oder versuchten mit Kunst anderen zu helfen in dem sie z. B. Kunstkurse in Gefängnissen organisierten. Andere organisierten Ausstellungen, um verschiedene Bürgerrechtsorganisationen finanziell mit dem Erlös der verkauften Kunstwerke zu unterstützen.

Als Ausstellung bringt Mapping the Collection Werke aus der Sammlung des Museums mit einer Auswahl von Kunstwerken von Künstler*innen zusammen, die nicht in der Sammlung vertreten sind. Diese Künstler*innen sind fast alle Teil afroamerikanischer, indigener, Latinx oder queerer Communities, haben jedoch bis jetzt nicht die gleiche Aufmerksamkeit in Deutschland erhalten. Durch diese Zusammenstellung wird auch deutlich, dass diese Künstler*innen eine genauso wichtige Rolle in der Entwicklung der US-amerikanischen Kunst gespielt haben wie uns bekanntere Namen wie z. B. Roy Lichtenstein, Morris Louis, Andy Warhol, Louise Nevelson oder Martha Rosler. Die Gegenüberstellung zeigt uns auch, welchen Einfluss die gesellschaftlichen Veränderungen der 1960er und 1970er auf all diese Künstler*innen hatte. Des Weiteren, wird deutlich das ästhetische und formale Entwicklungen über die Grenzen von Ethnie, Herkunft und Geschlecht hinweg stattgefunden haben, aber auch wie eben genau diese Dinge für andere eine Einschränkung bedeuteten und ihnen nicht die gleichen Chancen, Öffentlichkeit und Rezeption brachten.

Eigentlich sollte die Ausstellung im April dieses Jahr eröffnet werden. Aufgrund der aktuellen gesundheitlichen Situation in der Welt ist die Eröffnung erst mal bis Ende Mai verschoben. In der Zwischenzeit möchte diesen Raum nutzen, um über meine Forschung im Museum Ludwig und Vorbereitungen zur Ausstellung zu berichten. Ihr werdet hier Beiträge zu Künstler*innen und Kunstwerken aus der Sammlung und der Ausstellung finden, aber auch längere Beiträge, die sich verschiedenen gesellschaftlichen oder politischen Themen widmen. Es wird auch Buch oder Filmempfehlungen und Spotify-Playlists geben. Ich freu mich drauf, dass hier wieder ein wenig Leben reinkommt!

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